Tice & Evans - Teil 1

13.09.2006 - Nicht alle Tage bekommen wir die Möglichkeit, ein Mitglied von AC/DC Face to Face zu Interviewen. Dank der Tatsache, dass Tice & Evans am 9. September 2006 in Tullnerbach unweit von Wien beim Organic Sound Harvest Festival aufgetreten sind, hat Gibson seine 7 Sachen gepackt und sich mit beiden locker und ausführlich mit Mark Evans und Dave Tice unterhalten können.

Hallo Mark Evans. Schön, dass du Zeit für uns gefunden hast. Wo ist denn Dave Tice? Eben habe ich ihn noch gesehen.

Mark: Ohh, Dave hat Durst. Den sehen wir nun länger nicht mehr, wie ich ihn kenne.

Mark, bist du das erste mal in Österreich?

Mark: Nein, nein. Ich habe in Innsbruck Freunde, die ich ab und an mal besuche. In Wien jedoch war ich noch nie. Und in diesem Ort Tullnerbach war ich ebenfalls noch nie. Aber die Gegend ist grossartig. Überall Wald und es herrscht hier eine gemütliche Atmosphäre. Nette Menschen, keiner ist aufdringlich. Heute war ich Mit Dave und Nicole (Nicole Janß, die Veranstalterin und Übersetzerin beim Interview. Anm.) in Wien. Wir haben uns den Stephansdom angesehen, waren in einem Cafe' und ich habe viele Fotos von Wien gemacht. Wenn meine Töchter diese Fotos sehen, wollen sie sicher sofort nach Wien kommen. Und ich konnte ein wenig Deutsch lernen. Den Satz drei Bier bitte beherrsche ich bereits.

Kann man Tice & Dave in Europa öfter bewundern, oder gehören Flugzeiten von 21 Stunden nicht zur Regel?

Mark: Mit Dave zusammen bin ich das erste mal in Europa. Aber getrennt haben wir beide schon Gigs in Europa gehabt. Dave war letzes Jahr in London mit seiner Band Count Bishop, die eine Reunion feierte und ich hatte auch schon Auftritte in Europa. Vor allem in meiner AC/DC Zeit.

Im Internet ist es immer wieder zu lesen. AC/DC sollen 1976 in Österreich gespielt haben. keiner weiss jedoch, wo in Österreich. Kannst du das Geheimnis lüften?

Mark: Oh ja, ich kann mich erinnern. Warte mal, wie hiess der Ort? Ich glaube Dornbirn. Gibt es Dornbirn? Da tourten wir mit Blackmores Night oder Rainbow. Jedenfalls war Blackmore mit von der Partie.

Bilder auf diversen Webseiten lassen es ja schon erahnen. Du und dein Kumpel Dave spielen ja mit Akustischen Instrumenten. Oder spielt ihr auch mal mit E-Gitarren?

Mark: Als Tice & Evans spielen wir in der Regel mit Akustischen Gitarren. Dave spielt auch noch Bluesharp dazu. Mit E-Gitarren spielen wir in anderen Bands. So wie Dave bei Count Bishop zum Beispiel. Aber bei dem Gig hier wird Dave auch seine Bo Diddley Gitarre spielen.

Das erste Mal hast du mit Dave 86 auf der Single I Belive I’m In Love/Buy me a Ticket mit der Band Headhunter gespielt. Zusammen mit Mick Cocks, ehemals Rose Tattoo. Kanntest du Dave schon vorher? Und seit ihr danach immer in Kontakt geblieben?

Mark: Heaven! Du weisst ja Sachen über mich, die ich schon fast wieder vergessen habe. 1986? Mann, das ist 20 Jahre her. Bin ich schon so alt? (lacht). Dave kannte ich davor nicht persönlich. Mick Cocks war damals schon lange Zeit mein Freund und Dave ist für die Aufnahmen zu uns gestossen. Seidem habe ich immer wieder mal mit Dave was gemacht. Aber als Tice & Evans gibt es uns seit 1999.

Stichwort Rose Tattoo: Als du bei AC/DC rausgeflogen bist, hättest du bei Rose Tattoo als Bassist einsteigen können, was du aber ablehnen musstest, weil du ja schon bei der Band Finch gewesen bist. Im Nachhinein eine falsche Entscheidung?

Mark: Ja, das tut mir heute noch leid, dass ich damals abgelehnt habe. Aber ich bin eben ein Mensch, der dabei bleibt, wenn er sich mal entscheiden hat. Moralisch hatte ich mich damals Finch verpflichtet gefühlt und wollte die Jungs nicht hängenlassen. Ich hatte zwar immer wieder Gastauftritte bei Rose Tattoo, aber ich bin auch heute noch traurig darüber, dass ich damals nicht zur Band kommen konnte.

Du bist aber mit Rose Tattoo immer in Kontakt geblieben.

Mark: Oh ja. Den Kontakt hatte ich immer gehalten. Bis heute tue ich das. Pete Wells war ein guter Freund von mir. Dave und Pete waren sogar die besten Freunde. Wie Brüder waren die beiden. Dennoch lernte ich Dave erst 1986 kennen.

Kam der Tod von Pete Wells unerwartet, oder war es nur noch eine Frage der Zeit, bis er mit Hendrix und Co. Eine Band gründen kann? Bon Scott hatte zwar keinen Krebs, aber jedem der ihn kannte war klar, dass er bei seinem Alkoholkonsum nicht mehr lange Leben würde. 1981 hätte Bon wohl so oder so nicht mehr erleben können. War es bei Pete auch absehbar? Und welches Verhältnis hattest du zu ihm?

Mark: Das ist schwierig. Pete war lange Krank. Die Hoffnung hat keiner von uns aufgegeben. Leider stand Pete auf der Kippe und ich muss sagen, dass es zumindest einen Monat vor Petes Tod absehbar war, dass er den Kampf gegen den Krebs verlieren würde. Aber Dave kann noch mehr drüber sagen.

Dave: Yeah, Pete. Mein bester Freund. Ich trauere nach wie vor um ihn. Ich denke, dass er drei Monate vor seinem Tod wusste, dass er den Kampf verlieren würde. Auch wenn er nie aufgegeben hat. Wir hatten für Pete auch ein Benefizkonzert gegeben und 120 000 Dollar eingespielt. Einen Monat vor seinem Tod, als er das letzte mal ins Krankenhaus kam, rief mich Pete an und sagte mir, dass er den von mir geschrieben Song „Broters in Arms“, den wir bei dem Benefizkonzert spielten, bei seiner Beerdigung gespielt haben möchte. Das war der Zeitpunkt, wo man wusste, dass es mit Pete zu Ende gehen wird. Ich kannte Pete seit 1966 und er war eine grosse Persönlichkeit. An meinem 50. Geburtstag fuhr bei mir zuhause ein Taxi vor und der Fahrer übergab mir eine Bo Diddley Gitarre. Es war ein Geschenk von Pete. Ich habe diese Gitarre mit und werde auch auf ihr spielen bei unserem Auftritt hier beim Organics Sound Harvest Festival.</note>

Mark, Phil Rudd hat ja vor AC/DC mit Angry Anderson bei Buster Brown gespielt. Du selber hast ja auch schon mit Angry bei Rose Tattoo gespielt, wenn auch nur als Gastmusiker. Ist es irgendwie so, dass in der Australischen Szene jeder mit jedem schon mal irgendwie Musik gemacht hat? Fühlt ihr euch stärker verbunden als Europäische und Amerikanische Musiker. Oder ist es nur ein Zufall?

Mark: Ich weiss nicht, wie das in Europa oder den USA abläuft. In Australien ist es vielleicht so, dass man sich einfach besser kennt. Mein Nachbar war Mick Cocks von Rose Tattoo. Er hatte Connections zu Dave und zu Angry klarerweise. Ich wiederum kenne Rob Riley, Phil Rudd, Chris Turner und ne Menge andere Leute. Möglich, dass es nur Zufall ist, dass hier jeder schon mal mit jedem Musik gemacht hat, weil man sich eben untereinander kennt. Ob wir nun verbundener sind als andere, will ich nicht sagen.

Zurück zu Tice & Evans. Zumindest in Österreich findet man von euch keine Alben in den Läden. Konzentriert ihr euch rein auf den Markt in der Heimat, oder seid ihr als Duo zu „unbekannt“ für den Weltmarkt?

Mark: Es liegt eher daran, dass wir zunächst in unserer Heimat Musik machen wollten. Immerhin ist Australien gross und wir mussten als Duo ja erst mal Zuhause bekannt werden. Aber nun müssen wir raus in die Welt! Nein, das stimmt nicht. Es ist eben schön daheim und gemütlich und wir dachten uns, dass wir den Rest der Welt schon noch in den Angriff nehmen werden. Und in Österreich kann man ja nun über Heurekord unsere Alben beziehen.

Dave Evans Alben sind ja sogar mit Aufklebern versehen, die seine Zeit als AC/DC Sänger hervorheben. Wobei sich die Fangemeinschaft einig ist, dass Dave für den Erfolg von AC/DC nichts beigetragen hat. Und es auch nicht können hätte. Erst Bon Scott hat dem ganzen Würze gegeben. Und danach Brian Johnson, der ja ein schweres Erbe antreten musste.

Mark: Tatsächlich? Dave macht sowas? Es ist Dave Evans' Entscheidung, das zu tun. Es ist eine Charaktersache. Ich selber muss mich nicht damit brüsten, mal bei AC/DC gewesen zu sein. Die Leute erinnern mich ohnehin immer daran. (lacht)

Wirst du denn eigentlich gerne auf deine AC/DC Zeit angesprochen? Oder nervt es nach fast 30 Jahren, dass man in Mark Evans den ehemaligen AC/DC Bassisten sieht und immer wieder über diese Zeit geredet wird?

Mark: Ich rede sehr gerne über diese Zeit. Ich habe kein Problem damit, dass man mich als den Typen sieht, der mal Bassist bei AC/DC war. Ich hatte eine tolle Zeit mit der Band und denke auch gerne an die zeiten zurück. Über AC/DC kann man mich alles fragen. Hey, ist das Bon Scott unter deinem Hemd?

Ja, ich wollte das Shirt vor dir verstecken, weil du und Bon nicht unbedingt die besten Freunde gewesen seid.

Mark: Du bist doch AC/DC Fan. Dann zeig es auch. Es stört mich doch nicht, wenn einer ein Bon oder Angus Shirt trägt. Mark Evans Shirts aus der AC/DC Zeit gibt es ja keine. Man muss also anziehen, was man bekommt.

Da hast du auch wieder recht, Mark. Mit Rob Riley, der ja auch mal kurz bei AC/DC war, hast du mit der Band Beast in den frühen 80ern einige Songs aufgenommen, die aber Albert Music unter Verschluss hält. Wird es da jemals ein Album geben?

Mark: Was du alles weisst. Du bist wirklich ein Fan! Ja, wir haben da einige Songs aufgenommen. Und sie sind unter Verschluss. Aber warum das so ist, will man nicht mal mir und Rob sagen. Vielleicht muss ich erst sterben, damit das Album veröffentlicht wird. ich weiss es wirklich nicht, warum meine Songs in einem Archiv versauern.

Als du 1977 weg warst von AC/DC, dachtest du damals daran, dass diese Band jemals den Kultstatus erhalten würde, den sie heute hat? Und dass sie in den Weltweiten Alltime Verkaufs Charts mit einem Album auf Position zwei stehen würden? Nur Thriller von Michael Jackson ging öfter über den Ladentisch als Back in Black.

Mark: Diese Ausmaße des Erfolgs hätte keiner zu Träumen gewagt damals. Ich wusste zwar, dass die Band ein grosses Potenzial hatte, aber dass aus AC/DC mal so eine Kultband wird, dachte ich damals wirklich nicht. Es ist eigentlich Unfassbar. Die Band war damals schon gut, aber solche Dimensionen des Erfolgs und der bekanntheit waren 1977 für mich nicht absehbar.

Ich habe mal gelesen, dass du Phil Rudd für den besten AC/DC Drummer hältst. Aber ein Chris Slade ist dennoch nicht zu verachten. Er hat auf der Razors Edge Tour wirklich Vollgas gegeben und seine Spielfreude sah man ihn an. Oder war sein Stil zu drummen zu hart für die Band?

Mark: Ich muss dazu sagen, dass ich Chris nur einmal Live gesehen habe mit AC/DC. Das war damals in Donington. Chris und Phil haben verschiedene Stile. Das sieht man auch, wenn man Konzerte mit Phil und Konzerte mit Chris vergleicht. Aber Phil ist DER AC/DC Drummer. Chris ist nicht schlecht. Er drummt wirklich gut. Aber zu AC/DC passt nur Phil Rudd.

Interview mit Mark Evans und Dave Tice 2006

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